25.01.2018

Neujahrsempfang der UVB in Frankfurt (Oder)

Das Haus der Wirtschaft in Frankfurt (Oder) bot auch in diesem Jahr den besonderen Rahmen für das traditionelle Treffen der UVB-Mitgliedsunternehmen aus der Region Ostbrandenburg mit wichtigen Partnern, Vertretern aus Politik und Verwaltung, Wissenschaft, Bildung und Medien - die "geballte Kraft der Region", so der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke.

Nach dem Blick auf das zurückliegende Jahr standen deshalb vor allem die anstehenden Herausforderungen zur Stärkung der deutsch-polnischen Wirtschaftsregion im Fokus des Abends. Grundtenor dabei: Wirtschafts- und Regionalentwicklung sind im vergangenen Jahren sehr gut vorangekommen, "...aber wir müssen noch nachlegen".

Der UVB-Geschäftsführer der Geschäftsstelle Frankfurt (Oder), Eberhard Tomsche, sagte, "... dafür sprechen z.B. die aktuellen Arbeitsmarktzahlen wie die Schaffung von 16.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen" in den vergangenen Jahren sowie angekündigte und bereits laufende Investitionen größerer Unternehmen. Andererseits gab es 2017 "... rund 1.800 unbesetzte Ausbildungsplätze landesweit. ... und es dauerte im Durchschnitt 160 Tage, bis eine ausgeschriebene Stelle in einem Unternehmen besetzt werden konnte". Weil das auch die Erfahrungen der meisten anwesenden Vertreter aus Wirtschaft und Kammern, Arbeitsagentur und Kommunen sind, bestimmte das Thema Fachkräftesicherung die Reden und den anschließenden Austausch. Dabei ging es vielfach um Ausbildungsförderung, Nachfolgeregelungen vor allem in vielen kleineren Betrieben, aber auch um die Mobilisierung von Langzeitarbeitslosen und natürlich die Chancen zur beruflichen Integration der Migranten. Aber auch die weitere Förderung von Firmengründungen und Neuansiedlungen sowie die Verhinderung von Schließungen und Abwanderung beschäftigten die Gäste des Neujahrsempfangs.

Auch Jürgen Weiß, der operative Geschäftsführer der bbw Bildungszentrum Ostbrandenburg GmbH sprach über eines der entscheidenden Zukunftsthemen für die regionale Wirtschaft, die Fachkräftesicherung. Dabei nutzte er die Gelegenheit, zu zeigen, dass es im bbw nicht nur Konzepte für die schnelle und kompakte Personalentwicklung von Mitarbeitern, z.B. in Seminaren und Lehrgängen gibt, sondern, dass das bbw seit vielen Jahren auch als Partner für Komplettlösungen wie bei der Verbundausbildung erfolgreich ist. Das heißt hier ist das bbw schon in der Berufsorientierungsphase in den Schulen unterwegs. Das Ausbildungsteam unterstützt die Unternehmen beim Recruiting passender Bewerber für ihre Ausbildungsplätze und übernimmt nach Wunsch Ausbildungsteile. Es ermöglicht Firmen in den bbw Werkstätten die anspruchsvolle technische Berufsausbildung in bis zu 15 Berufen. Daneben begleitet das bbw die Azubis bei Bedarf fachlich mit Stützunterricht und sozialpädagogisch bis zum Ende der Ausbildungszeit, damit teure Ausbildungsabbrüche vermieden werden. So können Unternehmen die Ausbildung leichter stemmen. Ein Vorteil ist, dass das bbw auch anerkannte Prüfungsstätte der IHK ist. Wo Berufsausbildung oder Umschulung mit all ihren begleitenden Möglichkeiten nicht greife, "...muss manchmal auch eine Nachqualifizierung her. Deshalb werden wir uns in 2018 auch stärker dem Bereich Teilqualifizierung widmen." sagte Weiß.

"Dabei geht es vor allem darum, einer veränderten Struktur unter Schulabgängern und Arbeitsuchenden, mit zeitgemäßen, teilweise aufwendigeren Konzepten und stärkerer Individualisierung für Langzeitarbeitslose mit veralteten beruflichen Kenntnissen, für Geringqualifizierte und für Geflüchtete nach dem Erwerb von Sprachkenntnissen entgegenzuwirken." Dafür ist die Teilqualifizierung ein besonderes, individuelles Format. Die Berufsanschlussfähigkeit sei gesichert. Am Ende stehe im Idealfall Vollqualifikation und Berufsabschluss. Das bedeute für einen ausgewählten Kreis an Teilnehmern den für sie voraussichtlich einzig realistischen Weg aus Arbeitslosigkeit oder Hilfsarbeit in den Beruf. Für die Betriebe erwüchse daraus eine zusätzliche Quelle an Fachkräften. Der Geschäftsführer der bbw Ostbrandenburg ergänzt: "Das bbw hat in diesem Bereich in enger Kooperation mit anderen Bildungswerken der deutschen Wirtschaft ein umfassendes und bundesweit einheitliches Angebot - die Arbeitgeberinitiative - Eine TQ besser - entwickelt, zertifiziert und seit der zweiten Jahreshälfte 2017 zum festen Bestandteil seines Angebots gemacht."

Das bbw Ostbrandenburg ist auch in der geförderten beruflichen Fort- und Weiterbildung aktiv. In Frankfurt (Oder) haben 2017 insgesamt 770 bbw Teilnehmer eine Qualifizierungs-, Aktivierungs- oder Beschäftigungsmaßnahme absolviert. "Besonders in unserer Niederlassung Strausberg gab es einen hohen Bedarf an Coachingangeboten für den Wiedereinstieg in den Beruf für alle Kundengruppen der Arbeitsagentur und der Jobcenter. Dadurch gelangten mehr als 50 % der Arbeitsuchenden wieder in Arbeit. "Aus einigen Kursen, besonders für Pflegetätigkeiten und Sicherheitsdienstleistungen konnten sogar fast 100% der Teilnehmer zurück in Arbeit gebracht werden.", freute sich Jürgen Weiß. Darüber hinaus schafft das bbw auch über die steigende Anzahl von Sprachkursen für Migranten wichtige Voraussetzungen für die berufliche Integration von Migrantinnen und Migranten in die brandenburgische Wirtschaft.

Auch der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) und der Geschäftsführer der UVB-Geschäftsstelle Frankfurt (Oder) sprachen über das Thema Fachkräftesicherung. Eberhard Tomsche verkündete, dass am 15. März einerderXXL-Infotrucks für Metall- und Elektroberufe in Frankfurt (Oder) halt machen werde. Hier können sich Jugendliche interaktiv über Berufe informieren, die in der Region dringend gebraucht werden. Der vom Verband der Metall- und Elektroindustrie (VME) gesponserte Truck, der bereits im vorigen Jahr einen Tag vor dem Haus der Wirtschaft stand und hierHighlight desbbw Berufsinfotages war, wird auch in diesem Jahr in weiteren brandenburgischen Städten wie Fürstenwalde und Eberswalde halt machen. So will der VME Jugendliche für Berufe begeistern, die in der Region immer weniger Bewerber finden. Wenn alles klappt, hilft interaktive Berufsorientierung wie hier den Firmen bei der Nachwuchsgewinnung. Aber in einem Flächenland wie Brandenburg müssten noch eine ganze Reihe weiterer, handfester Voraussetzungen für eine Verbesserung der Fachkräftesituation geschaffen werden, waren sich die Redner einig.

Mit Blick auf die kommenden Jahre und 2018 sei die Kapazität beim digitalen Netzausbau in der Region nicht nur im bundesdeutschen Vergleich, sondern auch im Vergleich zum schon erreichten Niveau in den polnischen Partner- und Nachbarregionen deutlich zu schwach "...hier reicht die Geschwindigkeit noch nicht", sagte OB, Dr. Wilke. Im Bereich der Infrastrukturentwicklung fehle es vor allem in der Fläche noch an Erfolgsnachrichten. Hier sei die Verkehrsinfrastruktur ein genauso wichtiger Standortfaktor für Ostbrandenburgs Wirtschaft wie der Fortschritt der Digitalisierung in Unternehmen und Verwaltungen und die technische und personelle Ausstattung der Schulen ("vor allem, um das Verständnis für die Naturwissenschaften zu fördern", um Schüler noch besser "mit neuen Technologien vertraut machen zu können" und das Niveau der Schulabgänger wieder zu verbessern.

Zurück

Impressionen